Schülerpraktikum und Fridays for Future!

Schufcon baden, liebe Ida. 

Gar nicht lange her, da hatten wir für zwei Wochen eine Schülerpraktikantin bei uns im Team. Eine, die für ihre 15 Jahre, schon sehr reflektiert auf Entwicklungen in der Welt geschaut hat. Eine, die Fridays for Future in Münster mit organisiert hat. Eine, mit der wir über Dinge sprechen konnten, die uns mit 15 noch nicht in den Sinn gekommen wären.

Die zwei Wochen mit Ida waren spannend. Ein schöner Einblick in das Leben einer ganz normalen Aufwachsenden und doch ein Spiegelbild der Gesellschaft im Hinblick auf die unterschiedlichen Sichtweisen von Jung und Alt. Ihre Sicht auf Politik, Umwelt und gesellschaftliches Zusammenleben unterstreichen dabei das, was wir in Zeiten von Fridays for Future und ähnlichen Bewegungen erwarten. 

Wir haben die Zeit mit Ida genossen. Uns ist nicht bange vor der Zukunft. Nicht mit Menschen wie Ida. Hier steckt Herz & Verstand. 

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FRIDAYS FOR FUTURE

Ein ganz normaler Freitag aus der Sicht von Ida. 


Freitagmorgen, 7:00 Uhr: Ich stehe auf, esse Frühstück, gehe ins Bad, ziehe mich an, packe meine Schulsachen ein und fahre um zwanzig vor 8 mit dem Fahrrad los. 7:50 Uhr, Unterrichtsbeginn. Für mich steht freitags zuerst 90 Minuten lang Englisch auf dem Stundenplan, ich versuche meine Müdigkeit zu überwinden und setze mich an die Klausur. Um 9:20 geben entnervte Schülerinnen ihre letzten Zettel ab, auf denen noch aus weiter Entfernung sichtbar wird, dass der Schönheitsgrad der Handschriften innerhalb des Klausurverlaufs nachgelassen hat. Mit dem Klingeln verlassen über 20 Zehntklässler den Raum, ich laufe durch die langen Schulflure ins Foyer, in dem eine Gruppe Jugendlicher mit Musikboxen und Plakaten am Rand steht und minütlich größer wird. Das Alter variiert, hauptsächlich Oberstufenschüler finden sich hier zusammen, doch vereinzelt sind auch Acht- und Neuntklässler zu sehen, die sich ebenso wie wir der Anwesenheitspflicht entziehen. Die zwanzigminütige Pause wird dazu genutzt auf Toilette zu gehen, Bücher in Schließfächer zu bringen und in der Schulcafeteria Proviant zu holen, noch stets kommen Freunde zu unserer Gruppe hinzu und schließen sich spontan an. Gegen Ende der Pause laufen die ersten Lehrer an uns vorbei, wundern sich erst über die Ansammlung und zwinkern uns, nachdem sie die Plakate gesehen haben, zu. Ärger von den Lehrern haben wir sehr selten zu erwarten und bei Einzelfällen können sie trotzdem nicht mehr ausrichten als uns Fehlstunden einzutragen, die wir ohnehin bekommen.

Um viertel vor zehn laufen wir langsam los, die Gruppe unterteilt sich in Einzelgespräche, bewegt sich über den Ludgerikreisel in die Altstadt bis hin zum Rathaus. Eine Mitschülerin holt grüne Sticker von Fridays for future aus ihrer Tasche und klebt ihn mit einem provokativen Grinsen an den nächsten Laternenpfahl. Schon in der Fußgängerzone kommen uns Musik und skandierte Sprüche entgegen, die lauter werden, je näher wir kommen. Am Rathaus angekommen stoßen wir auf eine breite Masse an Demonstranten, bunte Banner, große Musikboxen und gute Laune schwingen uns entgegen. Wir treffen auf viele Bekannte und Freunde, mischen uns in den noch stehenden Zug, der von der Lambertikirche über den Prinzipalmarkt reicht. Vor Beginn der Demo werden erste Aktivisten auf die Bühne gerufen, um Reden zu halten. Eine Schülerin thematisiert neue Statements von Politikern zum Klimaschutz, ein anderer kritisiert den Klimagipfel und eine bereits ältere Frau, langjährige Verfechterin des Klimaschutzes singt ein umgedichtetes Lied vor, zu dem sie auf ihrer Gitarre spielt. Zwischendurch wird laute Musik gespielt, „Geh mal wieder auf die Straße“ klingt durch die Münsteraner Innenstadt, die sich noch immer mit Demonstranten füllt. Die Fenster der historischen Häuser gehen auf, Verkäufer blicken aus den Türen und filmen das Geschehen, um sich dann wieder ihrer Arbeit zu widmen. Ein Lebensmittellieferant hält unbehelligt vor dem Weinkeller neben dem Rathaus und lädt seine Waren aus. Vereinzelt sind Grundschulklassen in Begleitung von Lehrern zu sehen, Schüler und Studenten, Eltern mit ihren Kindern auf den Schultern, Senioren…Platz ist hier für alle, die für den Klimaschutz einstehen wollen. Um 10:30 kommt der Zug nach Ankündigungen in Bewegung. Viele der Organisatoren laufen vorne mit und halten ein weißes Banner hoch: „KLIMASTREIK. WIR STREIKEN BIS IHR HANDELT“ Über den Drubbel laufen 6000 Demonstranten, die die gesamte Straße einnehmen, von Anfang bis Ende von Musik begleitet. Durch das Kuhviertel steuern wir das Schloss an, laufen über die Hauptstraße, wo Autofahrer angehalten haben und teilweise nach Aufforderungen den Motor ausstellen. Viele sehen missgünstig dem Treiben zu, schütteln den Kopf oder werfen uns spöttische Blicke zu. Andere feuern uns an, zeigen den Daumen hoch, fahren das Fenster runter und kommen mit uns ins Gespräch oder stimmen mit in den Chorus ein. An der Kreuzung beim Amtsgericht bleiben die ersten Demonstranten stehen, legen ihre Rucksäcke nieder und fordern eine Sitzblockade. Für ca. zwei Minuten bleiben wir auf der Straße, essen etwas und unterhalten uns, bevor wir uns dann weiter an Unigebäuden vorbei in die Stadt bewegen. Einzelne Rufe von Radikalen, die nicht weitergehen wollen, werden größtenteils missachtet bis sie ihre Aufmerksamkeit endgültig verloren haben. Am Aegidiimarkt vorbei läuft der Zug zum Ludgeriplatz, kommt erneut zum Stehen und wird nur durch einen Krankenwagen unterbrochen, der unabhängig von der Demo seinen Weg durch die Menschen findet und die Rettungsgasse durchquert, die schnell geschaffen wird. Kurz darauf kommt die Durchsage, dass es weiter zurück zum Rathaus geht und dort mit Wortbeiträgen geendet wird. Einige Polizeimotorräder flankieren die Seiten und sorgen für Verkehrssicherheit, sodass der Kreisverkehr wieder frei wird. Zurück am Rathaus kommen erneut Aktivisten auf die Bühne; ein Poetry-Slammer verweist mit seinem Beitrag auf die Konsumkritik, ein Schüler teilt seine Gedanken zur Nachhaltigkeit mit. Einer der Organisatoren von FFF ruft dazu auf, dass jeder Reden halten und Musik machen kann, man solle sich bei ihm melden, um auf der nächsten Demo etwas zu sagen. Um 13:00 löst sich die Demo langsam auf, letzte Absprachen werden getroffen, zum Bus gerannt und Plakate eingepackt, während wir auf dem Rückweg zur Schule sind, wo unsere Fahrräder stehen.
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Wir hatten viel Freude mit Dir! Du bist jederzeit willkommen, liebe Ida. 
Alles Gute für die Zukunft und bleib so engagiert, wie Du bist!


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